Musik verstehen – a closer look at Bartók: Concerto for Orchestra

Hier kommt bald die Analyse von Bartóks Konzert für Orchester. Detaillierte Beschreibung und Kommentar beziehen sich auf die Partitur von Boosey & Hawkes 9009

Leseprobe:

Erster Satz (Introduzione)

Kurzübersicht

TaktTeilMotivik/ThematikStichwort
1-34EinleitungE1, zwei ansteigende Quarten, Rückkehr zum Ausgangston über Ganztöne und Quartenp/pp,     , Tremoli, chromatische Figuren der Flöten, phantastisch (im Sinne von nicht irdisch)
35 – 50E2, ungarisches ThemaTrompeten wie aus der Ferne
51 – 75E3, VerbunkosthemaVerwandt mit dem ungarischen Thema
76 – 148Exposition, Hauptsatz1. Thema, allegro vivace, dynamisch, zupackend. T. 135: PosaunenthemaHäufige Taktwechsel, Betonung des Tritonus (vgl. slowakische Musik), Kopfmotiv Tetrachord in Moll
149 – 230Exposition, Seitensatz2. Thema: Arabisches Thema, tranquillo dolcewirkt improvisiert, Erweiterung vom Zwei- auf einen Neuntonraum
231 – 271Durchführung 1Durchführung des ersten Themas, Tempo 1 (allegro vivace)Schwerpunkt liegt auf dem ersten Takt des Themas (tutti), ab T. 248 hauptsächlich Streichern, kontrapunktische Verarbeitung des 2. Thementaktes
272 – 312Durchführung 2Neues Klarinettenthema, Durchführung des zweiten Themas, tranquillo 
313– 395Durchführung 3Erster Takt Thema 1, imitatorischer Einsatz des PosaunenthemasFugato, kontrapunktische Verarbeitung, Schwerpunkt liegt auf Blechbläsern
396 – 487RepriseSeitensatzErweiterung vom Zwei- auf einen Zwölftonraum
488 – 521HauptsatzKopfmotiv Tetrachord in Dur

Langsame Einleitung, T. 1–75

In der Tradition der „klassischen“ Sinfonie stellt Bartók seinem Konzert für Orchester eine langsame Einleitung voran, in der er die wesentlichen Kompositionsmaterialien des Werks vorstellt: z. B. Pentatonik (stellvertretend für verschiedene andere, vom herkömmlichen Dur-Moll-System abweichende Skalen), Chromatik, Ganztönigkeit, Orgelpunkt, „Collagetechniken“ (Gleichzeitigkeit verschiedener Kompositionstechniken oder auch Tonalitätsräume), das Intervall Quarte (und die Idee Quartfolge), das Keimzellenmotiv u. a.

T. 1-11:

Das Konzert für Orchester beginnt mit einem leisen, gebundenen Motiv der Violoncelli und Kontrabässe, das charakterisiert wird durch zwei ansteigende Quarten und danach über Quarten und Ganztonschritte im Wechsel wieder zu seinem Ausgangston cis zurückkehrt (T. 1–6) und diesen über die nächsten Takte als Orgelpunkt beibehält (T. 6–11).

Über diesem Orgelpunkt cis baut sich, beginnend mit dem Ton c2, ein fünftöniger Tremolo-Ganztoncluster (as, b, c, d, e) in den höheren Streichern auf im pianissimo und kehrt dann wieder zum Ausgangston c2 zurück (T. 6-10).

Die Flöten übernehmen diesen Ton c2 und teilen sich im nächsten Takt (T. 11) in eine aufsteigende und eine absteigende Linie auf. Die erste Flöte füllt dabei den Quartraum chromatisch aus, die beiden Flöten enden im dissonanten Abstand einer großen Septime.

Das Quartmotiv der tiefen Streicher wirkt bei seinem ersten Auftreten emotional noch neutral, der dissonant einsetzende Clusteraufbau der höheren Streicher trübt die Stimmung aber schon eher ins unbehagliche ein. Leise und schnell huschen die Töne der Flöte vorbei, wie ein nächtlicher Schatten, wie ein unbehaglicher Gedankenfetzen, der so schnell verschwunden wie er gekommen ist.

T.12-21:

Der nächste Abschnitt ist im Wesentlichen eine Erweiterung der vorangegangenen: Das Quartenmotiv der tiefen Streicher wird im Anstieg um eine Quarte erweitert. Weil der fallende Teil genau gleich beibehalten wird, endet das Motiv nun eine Quarte höher als zuvor (fis).

Dem passt sich der Ganztoncluster-Aufbau der hohen Streicher an, die nun mit dem f2 starten.

Wie auch im ersten Abschnitt setzen danach die Flöten ein, wieder überwindet die erste dabei den Quartraum chromatisch, allerdings sind die Töne nun nicht mehr aufsteigend geordnet. Das Abschlussintervall der Flöten ist wieder eine kleine Septime.

T. 22–34:

Sowohl in seiner Dauer als auch in der Anzahl der beteiligten Instrumente tritt das Quartenmotiv noch erweiterter auf: Es erstreckt sich nun über sieben Takte (T. 22-28), neben Kontrabässen und Violoncelli sind nun auch die Bratschen beteiligt. Das Quartenmotiv endet dieses Mal auf dem Ton dis, die dissonante Spannung des Orgelpunktes (ab T. 29) der tiefen Streicher zu den hohen Streichern bleibt erhalten, allerdings baut Bartók dieses Mal kein Cluster auf, sondern Violine 1 und 2 setzen gegen den Orgelpunkt dis einen d-Moll Tremoloklang.

con/senza sordino, mit/ohne Dämpfer                 sul. pont.= sul ponticello, nah am Steg

sim.= simile, gleich                          div.=divisi, [die Instrumentengruppe] teilt sich in mehrere Gruppen auf