…hört sich irgendwie spannender an als Wandern, Sammeln und Drucken. Doch genau das habe ich getan, und es war interessant, weil sich meine Farben auf 1200 m ü. d. M. ganz anders verhalten als im Keller zu Hause…




und als Blaudrucke:





Cyanotypie ist ein Verfahren, das mich schon lange interessiert. Die chemische Seite schreckt mich allerdings ab. „Fake-Cyanotypie“ ist zwar ein blöder Name (finde ich, weil es so nach Betrug klingt), ist aber mit einer Gelliplate machbar.

Hier habe ich einen Waldmeister mit „Preussisch Blau“ abgedruckt. Der Waldmeister hat noch wochenlang beim Drucken geduftet.



Auch „Unscheinbare“ vom Wegesrand bekommen bei diesem Verfahren Aufmerksamkeit, die sie durchaus verdienen:




Erstaunlicherweise konnte ich sogar noch mit Blättern vom letzten Herbst drucken. Ich hatte Sorge, dass sie in der feuchten Farbe auf der Gelliplate kleben bleiben und zerbröseln, aber es ist gut gegangen. Glück gehabt.



Beim Bild ganz links ist mir das Druckblatt verrutscht. Daher sieht man einmal das Pflanzennegativ (ganz in weiß) und die Pflanzenumrisse (z. B. am Stängel die beiden dunklen Linien).
Eine moderne Interpretation der Cyanotypie…
Ich bin zu spät!!! Die großen Löwenzahnwiesen sind tatsächlich schon verblüht. Also habe ich (vor allem) mit den Blättern gedruckt.

Durch das Drucken habe ich die Geheimnisse der Löwenzahnblätter ein Stück weit gelüftet: Sie sind einfach auch wunderschön!




Und dann noch ein etwas schrillerer Versuch in Kombination mit Aquarellfarbe:

Löwenzahn halt….
Ganz heimlich hat sich Wehmut in meinen Keller eingeschlichen. Abschiedsstimmung, weil die Tage, bis ich wieder in meinen Beruf einsteige, angezählt sind. Aufräumen, ordnen, sortieren der äußeren Dinge hilft mir, Klarheit zu gewinnen.
Ich hatte das Gefühl, zu gar nichts gekommen zu sein, aber als ich die Drucke gesichtet habe, habe ich gemerkt, dass doch einiges entstanden ist:

Nochmal einer der Wolfsmond-Drucke, und natürlich mussten Pflanzen dabei sein:






Beim letzten Druck habe ich in der ersten Farbschicht mit Acryl-Tinten gearbeitet. Die sind von der Gelli-Plate abgeperlt, das hat diesen Carquelé-Effekt bewirkt.
Der erste Vollmond im Jahr heißt Wolfsmond. Die hungrigen Wölfe kamen aus den Wäldern an die Dörfer und Siedlungen heran und heulten den Vollmond an. Keine Wölfe aber Gelliprints mit Kälte, Schnee und Vollmond sind zwischen den Jahren entstanden:




Naja, bei diesem letzten Bild ist ein Feuervogel über die Druckplatte geflogen.
Sich einfach nur vorstellen, die Stadt vor dem Fenster wäre New York…:


… und schon sind wir dort… jedenfalls beinahe…
Viele tolle Bilder, und manche fühlen sich erstaunlich „lebensnah“ (für mich) an:



Eine tolle Ausstellung, die richtig gute Laune macht. Leider nur noch bis Anfang Februar im Neuen Kunstmuseum Tübingen: http://www.n-k-t.de
Ein ganz klein bisschen wehmütig war mir ja schon, als ich die Blumencollagen gestern eingepackt habe:





In der PHSA haben sie heute einen tollen Platz gefunden, und ich freue mich sehr, dass meine Bilder die großen, weißen Wände genießen können:


Herzlichen Dank an das Team der PHSA für das tolle Angebot und die Hilfe und Unterstützung beim Hängen: Danke!
…ach, was wäre der Herbst ohne dieses Lied? Oder aber ohne die wunderbaren Herbstblätter? Und mit einer Gelli-Plate brauchen die Blätter nicht einmal eine spektakuläre Färbung…der Druck enthüllt ihre wunderbaren Formen und Strukturen.
Jedenfalls durfte ich heute aus K.s Garten ein paar Blätter mitnehmen, bei ihr wächst eine Riesenschlingpflanze mit großen Blättern:


So sehen die Blätter nach dem Drucken aus. Und die Drucke? So:






Mal überlegen, was ich mit den Drucken anstelle… eine Collage? Ausschnitte finden und rahmen? Mappen oder Bücher einbinden?




Hat jedenfalls Spaß gemacht, mit Blättern, Farbe und Papieren zu spielen. Zwischenzeitlich ist auch die Sonne rausgekommen, dann gehe ich mal Kastanien finden…
…im Keller bunt… zum Glück! Ich habe so eine Schatzkiste im Keller stehen mit allen möglichen Papieren, Kartons, Folien, altem Geschenkpapier, Palettenblättern… und darauf habe ich gedruckt.
Diese beiden hier beschichtet mit Silber- und Goldfarbe und glänzen:


Hier habe ich Palettenpapiere überdruckt:








Ob ich die Drucke jetzt alle für sich verwende, Ausschnitte wähle oder sie für eine Collage verwende, weiß ich noch nicht. Wie dem auch sein: Farbe tut gut!
ist einfach eine wunderbare Farbe, die ich mir durch nichts vermiesen lassen möchte.
Eine Fake-Zyanotypie habe ich schon lange ausprobieren wollen, und als ich dann neulich dieses riesengroße Blatt gefunden habe, entstand eine „jetzt-oder-nie“ Situation:
Hier also erste Schritte hin zur Fake-Zyanotypie:




Wirklich ein Riesenblatt – als Maßstab musste der ungeliebte Rotstift herhalten:

Wie eine Fake-Zyanotypie hergestellt wird?
Einfach die Gelliplate mit (blauer) Farbe einrollen, das Blatt auflegen und einen ersten Druck ziehen. Dann das Blatt entfernen, das Papier exakt wie vorher auflegen und damit die Spuren, die das Blatt auf der Gelliplate hinterlassen hat, aufnehmen. Das wars. Wer ganz genau hinschaut, sieht, dass mir das Papier beim dritten Bild (=das erste große) etwas verrutscht ist. Macht nichts, finde ich….