Eisblumen sind leider zu einer seltenen Art geworden, an doppelt- oder dreifach verglasten Fenstern können sie nicht gedeihen.
Frost und Nebel haben aber die gesamte Landschaft überzuckert, der Spaziergang heute war eisig und herrlich:
Der Frost haucht zarte Häkelspitzen Perlmuttergrau ans Scheibenglas. Da blühn bis an die Fensterritzen Eisblumen, Sterne, Farn und Gras. Kristalle schaukeln von den Bäumen, Die letzen Vögel sind entflohn. Leis fällt der Schnee … In unsern Träumen Weihnachtet es seit gestern schon.
Geschichten über Tannenduft, Engel und glitzerndes Geschenkpapier gibt es duzende. Geschichten über Not, Kälte und Weihnachtswunder auch. Und dann sind da die historischen Geschichten, die modernen, die wahren und die erfundenen.
Und dann ist da noch eine.
Weihnachten war in diesem Jahr ganz anders. Alles unbekannt: der Ort, die Menschen, die Sprache, die Gepflogenheiten. Und sie in einer Situation voller Angst, was die Zukunft bringen würde, kein Schritt ohne Schmerzen möglich, die Seele schwer von ungeweinten Tränen.
In der Nacht hatte der Wind an dem Dach des weißen Holzhauses gezerrt, und obwohl des schon mitten am Vormittag war, war die Dämmerung über den Feldern mit dem nassen, schweren Schnee zu spüren.
Sie waren den Weg in den Ort gelaufen und hatten die letzte Möglichkeit zum Einkaufen genutzt. Es sollte ein landestypisches Weihnachtsessen geben, improvisiert mit der kargen Ausstattung der kleinen Wohnung unterm Dach. Da hörte sie vor der Wohnungstür Geräusche. Jemand schien in der Nachbarwohnung zu hantieren. Als sie nachsah, war es eine junge Frau, die nebenan reinigte. Weil in ihrer Wohnung etwas fehlte, sprach sie die Frau an und bekam das Gewünschte. Hier ins Detail zu gehen, ist für den weiteren Verlauf der Geschichte unnötig.
Als Dank, und weil Weihnachtstag war, schenkte sie der Frau einen der Engel, die sie von zu Hause mitgebracht hatte. Die junge Frau freute sich sehr und fragte: „May I give you a hug?“ Und als die beiden Frauen sich in die Arme schlossen, passierte es. Eine echte Umarmung. Eine feste Umarmung. Ohne Worte verstanden sie sich, übergaben ihr Innerstes an die andere und nahmen der anderen Last. Körper an Körper, Loslassen und sich gegenseitig Stützen. Tränen begannen zu fließen und zu versiegen. Tiefes, inniges Verständnis, echte Umarmung. Sekunden nur, die unlöschbare Spuren hinterließen.
Ich weiß deinen Namen nicht, wo du bist, wie es dir geht. Aber ich spüre dich noch und danke dir von Herzen für diesen Moment! Du warst mein Weihnachtswunder.
In der Oper kannst du was erleben… Oper natürlich, spannend ist aber auch, was drumherum so alles passiert.
Wenn zum Beispiel der dressierte Schwan in den Orchestergraben springt und nur sehr knapp neben dem Cellisten landet. Oder, wenn Scarpia im Todeskampf die Weinflasche, die bei der Auseinandersetzung mit Tosca vom Tisch gefallen ist, gerade noch festhält und hinstellt, damit sie nicht die geneigte Bühne hinunterrollt und im Orchestergraben einschlägt (Scheint ein nicht ganz ungefährlicher Beruf zu sein, im Orchestergraben zu sitzen…). Mit zu den lebhaftesten Opernerinnerungen – abgesehen von den vielen Malen, die ich verheult am Kärntner Ring an der U-Bahn stand, weil sie Cavaradossi doch erschossen hatten, gehört, wie ich mir bei Madama Butterfly vor vielen Jahren mit einer mir unbekannten jungen Frau eine Packung Taschentücher geteilt habe.
Überhaupt: ohne Taschentuch in die Oper zu gehen, kann an Fahrlässigkeit grenzen. Und in der Oper selbst spielen Taschentücher auch eine Rolle: Wenn zum Beispiel eines erst nicht auffindbar ist, und dann doch später wieder auftaucht, aber…..
OTELLO No! il fazzoletto voglio ch’io ti donai.
DESDEMONA Non l’ho meco.
Da hat Desdemona das Taschentuch also nicht dabei. Das wird ihr das Leben kosten…
Und Madama Butterfly hofft, ihren frisch Angetrauten nicht zu verärgern, wenn sie ein paar „Frauendinge“ mitbringen möchte:
BUTTERFLY Signor B. F. Pinkerton, perdono… Io vorrei…pochi oggetti da donna…
PINKERTON Dove sono?
BUTTERFLY Sono qui…vi dispiace? (Tira fuori gli oggetti dalle maniche del suo kimono.)
PINKERTON O perché mai, mia bella Butterfly?
BUTTERFLY Fazzoletti. La pipa. Una cintura. Un piccolo fermaglio. Uno specchio. Un ventaglio.
Sie hat Taschentücher dabei….
Ein Hoch auf das Taschentuch, die Oper und die Frauen!
Letztes Wochenende habe ich eine Einladung zum Baumloben erhalten. Mit Kaffetrinken, Waffeln, Eierlikör, Lieder singen: einfach ganz wunderbar.
Vorsichtshalber, und weil ich noch „Tannengrün“ vom Adventsgesteck übrig hatte, habe ich den nordfriesischen Baum hergerichtet und bin also bereit:
Wenn du vor meiner Tür stehst: Bitte klingeln, es gibt Kaffee und gebrannte Mandeln. Wenn du vorher anrufst, könnte ich sogar einen Kuchen backen…. Am Küchentisch sitzen, klönen, vielleicht was basteln, „Messias“ hören, wäre das nicht wunderbar?
Endlich, endlich…. für die Wolle bin ich sogar extra nochmal in die Stadt geradelt (!), und pünktlich ist das erste Strickprojekt dieses Winters fertig geworden.
Ehrlich gesagt: Ich bin schon hin- und hergerissen zwischen Nutzen (einer solchen Aktion) und dem Gefühl, dass es eh nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Oder ist immerhin etwas tun besser als nichts tun? Und wenn ich dann an die Kinder denke, denen ich im beruflichen Alltag begegne und deren Ängste und Nöte sehe… Sie sind auf den ersten Blick vielleicht nicht existenziell, aber auf den zweiten schon. Vor allem, wenn wir uns überlegen, in was für einem Umfeld wir zukünftig leben möchten. Wir bräuchten viel mehr Ressourcen für alle Kinder. Und damit meine ich keine digitale Ausstattung – die darf weiter hinten in der Schlange der Bedürfnisse stehen…..
Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, richtig viele Weihnachtsgrüße per Post zu verschicken. Echte Briefe finde ich einfach viel schöner als elektronische.
Jedenfalls sind jetzt einige Motive im Druck – bin gespannt, wie die Postkarten dann am Ende aussehen werden:
… sind eine ganz wunderbare Sache, finde ich. Sie strukturieren das Chaos, unterstützen mich, an alles zu denken, und manchmal sind sie einfach nur wunderbar. Zum Beispiel die Wunschliste für eine Fee, damit ich vorbereitet bin, wenn ich drei Wünsche frei habe:
Oder eine Liste der Dinge, die einfach nur schön sind, und an die ich gerne denke. Ich werde mir jetzt gleich Zeit nehmen und die Musik eintragen, die ich gerne höre.
…so gerne würde ich mal nach Devon reisen. Am liebsten mit der ganzen Familie. Dort soll man toll tauchen und Fossilien finden können. Wandern und spazieren gehen, malen…
In meiner Fantasie war ich schon mal dort- zwei Fassungen von derselben Idee:
Die Hauptstadt des Nebels lag heute morgen mal wieder unter einer dichten Nebeldecke, und so haben wir die Innenstadt gegen Immenstadt getauscht.
Vom Bahnhof ging es aus dem frostigen Tal knackig berauf durch die Herbstwälder der wärmenden Sonne entgegen.
Oben wurden wir mit einem herrlichen Blick belohnt:
Unser Vesperplatz….
Der Rückweg führte uns durch einen wildromantischen Tobel – es war extrem glitschig, weil alles so feucht war. Im Sommer möchte ich unbedingt nochmal herkommen und (mindestens) die Füße ins Wasser halten:
Ein superschöner Tag in Immenstadt – der Bienenstadt…. wie sollte es dort auch anders sein als schön?